Zum 100. Geburtstag von Lucky-Luke-Schöpfer Morris

SteveJ

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Morris, der mit bürgerlichem Namen Maurice de Bevere hieß, brachte sich selbst das Comiczeichnen bei. Als Sohn eines Pfeifenunternehmers wurde er am 1. Dezember 1923 in Kortrijk in Belgien geboren.
Das Land gilt als Comic-Hochburg Europas, brachte viele namhafte Comicschöpfer hervor - allen voran Georges Prosper Remi, besser bekannt als Hergé, der "Tim und Struppi" erfand, Peyo ("Die Schlümpfe") und André Franquin ("Spirou", "Gaston", "Marsupilami").
De Bevere reihte sich in die Riege dieser Comicmeister ein.

"Er war eigensinnig im positiven Wortsinn", erzählt Martin Frenzel, Comicforscher und Herausgeber der Online-Fachzeitschrift "Comicoskop".
Die erste Geschichte mit Lucky Luke erschien im November 1946 in Frankreich im Jahres-Almanach des Magazins "Spirou".

De Bevere hegte großes Interesse an Amerika - das Land, das in den Geschichten regelmäßig auf den Arm genommen wird.
"Man erfährt, obwohl es auch natürlich Unterhaltung ist und Satire ist, sehr viel über amerikanische Geschichte und den Wilden Westen", sagt Frenzel.
Bei einem sechsjährigen Amerika-Aufenthalt lernte de Bevere den späteren Texter René Goscinny kennen, der auch für seine "Asterix"-Geschichten bekannt wurde. Goscinny schrieb von 1955 bis zu seinem Tod 1977 an den Cowboy-Geschichten.
"Eine Blütezeit der Lucky-Luke-Bände", nennt es der Comicforscher.

Morris entwickelte seinen eignen Stil.
“Bei den allerersten Geschichten, da war Morris noch stark vom amerikanischen Cartoon inspiriert und die Figuren, vor allem Lucky Luke, wirken da sehr cartoonhaft und ein bisschen gummimäßig“, sagt Fabian Gross.
Er ist Redakteur beim Egmont Verlag, die “Lucky Luke“ in deutscher Sprache veröffentlichen. Die Entwicklung der “Lucky Luke“-Bilder sei merklich gewesen, sagte er.

Einen Umschwung habe es gegeben, als de Bevere mehrere Jahre in Amerika verbrachte.
“Da hat er viel Recherche betrieben und sich einen realistischen Stil angeeignet.“
Der Zeichner habe sich viel an Westernfilmen orientiert, sagt Gross.
Was die Blickpunkte in den Zeichnungen angeht, erinnere es beinahe an Kameraeinstellungen.

Dennoch hätten die Zeichnungen von Morris stets etwas karikaturhaftes:
“Wenn man allein daran denkt, wie die Daltons aussehen, dass sie vier Figuren sind, die in einer Reihe vom Kleinsten bis zum Größten sind. Völlig karikaturistisch“.
Die Mischung zwischen Realität und Karikatur habe Morris als Künstler ausgemacht.



Keiner habe so in Bildern erzählt wie Maurice de Bevere, meint auch Comicforscher Frenzel.
“Er hat einen eigenen, groteskkarikierenden Stil entwickelt, aber gleichzeitig mit einer unglaublichen Detailfreude die Hintergründe und die Kulissen erschaffen.
Und er ist auch ein großer Colorist gewesen, der mit Licht und Schatten operierte.“
Das wurde auch elementarer Teil der Serie.
Lucky Lukes Markenzeichen: Seinen Colt schneller zücken als der eigene Schatten. :D



Morris hatte auch keine Scheu vor Veränderung.
Seinem Helden gewöhnte er 1983 das Rauchen ab und steckte ihm fortan einen Strohhalm in den Mund.
Nicht nur cool, sondern auch gesund: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlieh dem Zeichner daraufhin eine Auszeichnung. (y)
Auch viele bekannte Persönlichkeiten erschienen immer wieder in den Comics: Figuren wie Billy The Kid, Revolverheldin Calamity Jane oder Abraham Lincoln.

Doch neben dem Helden gehören wohl eher die komischen Seitencharaktere zu den Publikumslieblingen.
So die Gebrüder Dalton, der dämliche Hund Rantanplan und das pfiffige Pferd Jolly Jumper.
Die Bösewichte basierten dabei auf Banditen, die es tatsächlich gegeben hatte, sagt Frenzel.

Morris selbst sei eher bescheiden gewesen, so Frenzels Einschätzung.
Allein die Tatsache, dass der Zeichner seine erfolgreichste Schöpfung nach seinem Tod 2001 in Brüssel an den französische Zeichner Hervé Darmenton alias Achdé weiter vererbte, um so Lucky Luke ein längeres Leben als sein eigenes zu geben, sei außergewöhnlich.
“Nein, das ist absolut nicht normal“.

De Bevere sei besonders an seiner Fliege zu erkennen gewesen.
“Kein Schlips, sondern eine Fliege. Das war so sein Markenzeichen, so wie Lucky Luke immer seine schwarze Weste und das gelbe Hemd anhat“.

Bis zu seinem Tod habe er noch die Geschichten des Cowboys gezeichnet.
Rund sechzig albenlange und zahlreiche kürzere Geschichten stammten aus seiner Feder, bis Achdé die Serie übernahm.
Die Geschichten über Lucky Luke haben eine europaweite Auflage von über 300 Millionen, in Deutschland sind es 30 Millionen.

“Wenn man an den europäischen Comic denkt, an was denkt man? Man denkt sofort an Asterix, man denkt sofort an Tim und Struppi und natürlich Lucky Luke“, sagt Gross.
“Wenn ich an Western denke, denke ich sofort an Lucky Luke und an Morris.“

Eine eigene Comicwelt, die bis heute besteht.

Quellen: MSN, dpa, RND, Wikipedia
 
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