25 Jahre Google

SteveJ

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Am 4. September 1998 gründeten die Stanford-Absolventen Larry Page und Sergey Brin Google – der Beginn einer beispiellosen Dominanz.
Dank ChatGPT könnte aber erstmals seit Jahrzehnten wieder Konkurrenz drohen

Seit rund einem Vierteljahrhundert beginnen Wege durchs Web für viele Internet-Nutzer tagtäglich mit einer kleinen Box auf dem Bildschirm, in die sie wenige Worte eintippen.
Das Ergebnis der Google-Suche sind dann meist Links, die oft genug ans Ziel führen und auch nächstes Mal wiederkommen.
Google ist die dominierende Internet-Suchmaschine und ein grandioses Geschäft.

In den vergangenen 25 Jahren versuchten große und kleine Konkurrenten vergeblich, Google zu entthronen.
Vor allem Microsoft investierte Milliarden in seine Suchmaschine Bing – und blieb in dem Geschäft trotzdem weit abgeschlagen... :smilehappy2)
Insgesamt hat Google mehrere hundert Milliarden Webseiten indexiert – die gesamte Datenbank ist 100 Millionen Gigabyte groß.
Mit rund 5,6 Milliarden Suchanfragen am Tag ist Google mit großem Abstand die beliebteste und wichtigste Internet-Suchmaschine der Welt.

Doch dann wurde Ende vergangenen Jahres der Chatbot ChatGPT veröffentlicht, der in einer Unterhaltung blitzschnell Sätze auf dem sprachlichen Niveau eines Menschen formulieren kann. 😮
Sofort kam die Frage auf:
Kann die Software nicht die ultimative Suchmaschine sein, wenn sie einfach direkt eine Antwort auf Nutzer-Fragen liefert, statt auf andere Websites zu verweisen? :unsure:
Und was würde dann aus dem Kerngeschäft von Google, Platz für „gesponserte“ Links oder Shopping-Anzeigen im Umfeld der Suchergebnisse zu verkaufen?

Microsoft ging einen milliardenschweren Pakt mit dem ChatGPT-Entwickler OpenAI ein und versucht, die Bing-Suche mit der Technologie hinter dem Chatbot aufzupeppen.
Google hält dagegen: Als Experiment kann man sich Suchergebnisse von KI zusammenfassen lassen und der hauseigene Chatbot Bard tritt gegen ChatGPT an.
Bei vielen Websuchen nach konkreten Informationen zeigt Google ohnehin schon länger zusätzlich zu Links auch eine direkte Antwort von einer als verlässlich eingestuften Quelle an.

Auf die Suchmaschinen-Marktanteile hatte der KI-Wettlauf bisher kaum Einfluss:
Google dominierte im August nach Zahlen der Analysefirma Statcounter mit fast 92 Prozent, während Microsofts Bing auf drei Prozent kam.

Vor 25 Jahren ging der Aufstieg von Google auf die wegweisende Idee zurück, dass Treffer relevanter sind, wenn es für sie mehr Verlinkungen gibt.
Damit schlug die Suchmaschine schnell zuvor populäre Vorgänger wie AltaVista.
Die Gründer Larry Page und Sergey Brin meldeten Google als Unternehmen am 4. September 1998 an – um einem Scheck über 100.000 Dollar von Sun-Microsystems-Mitgründer Andreas von Bechtolsheim einlösen zu können.

Die Entwicklungsstationen von Google
  1. Page und Brin treffen sich
    Im Sommer 1995 führte der 22-jährige Larry Page eine Gruppe potenzieller Kommilitonen über den Campus der Stanford University.
    Unter ihnen war der ein Jahr jüngere Sergey Brin.
    "Einigen Erzählungen zufolge konnten sie sich während ihres ersten Treffens auf schier gar nichts einigen“, heißt es dazu bei Google.
    Doch schon wenige Monate später taten sich die Studenten für Pages Dissertationsprojekt zusammen.
    Page hatte ursprünglich rund zehn Ideen für seine Abschlussarbeit gehabt. Sein Betreuer Terry Winograd pickte die Linkstruktur des Internets heraus.
    "Das scheint eine echt gute Idee zu sein“, meinte Winograd, wie sich Page später im "Fortune"-Magazin erinnert.
    Das sei der beste Rat gewesen, den er je bekommen habe.

  2. Eine neue Art von Suchmaschine
    Google begann als Forschungsprojekt "BackRub".
    Suchmaschinen zu jener Zeit bewerteten die Treffgenauigkeit einer Internetseite stumpf danach, wie oft der gewünschte Begriff auf ihnen zu finden war.
    Page und Brin aber verfolgten den Ansatz "Qualität statt Quantität". Sie wollten das Internet für sich arbeiten lassen.
    Denn war es nicht naheliegend, dass relevante Seiten zu einem Thema bereits von anderen Webpages entdeckt und verlinkt worden waren?
    Das Duo entwickelte in seinen Wohnheimen also eine Suchmaschine, die mithilfe von Links die Wichtigkeit einzelner Webseiten im World Wide Web ermittelte.
    Im August 1996 nahm Google unter der URL "google.stanford.edu" die Arbeit auf. Der erste Server bestand aus Legosteinen.
    Zufall oder nicht: Die Farben finden sich heute im Firmenlogo. ;)

  3. Google begins
    BackRub wurde rasch in Google umbenannt. Der Name ist ein Wortspiel mit "Googol".
    Der mathematische Begriff bezeichnet eine Zahl mit einer Eins und hundert Nullen.
    Diese gigantische Ziffer sollte die Fülle an Informationen symbolisieren, die die Suchmaschine filtern konnte.
    Am 15. September 1997 registrierten Brin und Page die Domain "Google.com". Die neue Suchmaschine fand dank der besseren Treffer schnell Fans.
    Der deutsche Informatiker Andreas von Bechtolsheim, einer der Gründer von Sun Microsystems, investierte im August 1998 100.000 Dollar in das Start-up.

  4. Start-up in der Garage
    Google zog nach der Firmengründung am 4. September 1998 vom Studentenwohnheim ins erste Büro um.
    Erster Firmensitz war – wie könnte es anders sein – eine Garage.
    Sie gehörte Susan Wojcicki, Google-Mitarbeiterin Nummer 16 und heute CEO von YouTube.
    1998 wurde auch schon der Doodle geboren, die kurzzeitige Veränderung des Google-Logos.
    Die erste Ausgabe bestand aus einem Strichmännchen und klärte Nutzer auf, dass das Team zum Burning-Man-Festival gefahren war.

  5. Verkauf von Google fällt aus
    Beinahe wäre Google den Weg so vieler guter, aber schnell versandeter Ideen im Silicon Valley gegangen.
    Anfang 1999 wollten Page und Brin ihre Firma an den damaligen Konkurrenten Excite verkaufen.
    Excite gehörte in der zweiten Hälfte der 90er Jahre zu den meistbesuchten Internetseiten der Welt.
    CEO George Bell lehnte die Offerte aber ab – selbst, als das Duo den Kaufpreis von einer Million Dollar auf 750.000 Dollar senkte.

  6. Ein Unternehmen mit Mission
    Page und Brin stellten schnell klar: Google verfolgt eine Mission. Oberste Maxime war "Don't be evil" (Sei nicht böse).
    Die Gründer formulierten zehn Grundsätze, an denen sie sich auch selber messen lassen wollten.
    Die ersten Punkte lauteten:
    "Der Nutzer steht an erster Stelle, alles Weitere folgt von selbst“, "Es ist am besten, eine Sache so richtig gut zu machen“, "Schnell ist besser als langsam“, "Demokratie im Internet funktioniert".
    2001 kam Eric Schmidt als CEO an Bord. Die Garage wurde zu klein und das Team zog schließlich 2003 in den heutigen Firmensitz Googleplex im kalifornischen Mountain View um.
    Mit dabei war natürlich Yoshka, der erste Hund im Google-Büro. Vierbeiner sind bis heute bei Google willkommen.

  7. Google geht an die Börse
    Am 19. August 2004 wagte Google den Börsengang. Die Aktie wurde für 85 Dollar gehandelt und der Konzern nahm 1,67 Milliarden Dollar ein.
    Das entspricht heute etwa 2,26 Milliarden Dollar. Aktuell liegt der Marktwert von Google bei rund 863,2 Milliarden Dollar. :eek)
    2006 nahm das Oxford English Dictionary das Verb "google" auf. Im selben Jahr verkündete Google die Übernahme der Videoplattform YouTube.
    Davor waren die Dienste Google Images (2001), Google News (2002), Gmail (2004) und Google Maps (2005) gestartet.
    2008 brachte Google seinen Chrome-Browser sowie Google Play heraus, 2012 folgte die Cloud-Speicherplatte Drive.

  8. Android
    Google verdankt seine Vormachtstellung auch klugen Zukäufen. 2005 übernahm der Konzern das Unternehmen Android.
    Gründer Andy Rubin, einst Softwareentwickler bei Apple, blieb bis 2014 in leitender Funktion bei Google.
    Am 23. September 2008 wurde die erste Version von Android veröffentlicht. Die freie Software, die auf Linux basiert, entwickelte sich schnell zum Marktführer.
    Rund neun von zehn Smartphones werden mittlerweile mit Android ausgeliefert.
    2017 verkündete Google einen neuen Rekord: Android war auf mehr als zwei Milliarden Geräten weltweit installiert.
    Das waren längst nicht nur Handys und Tablets. Google-Dienste finden sich in Smartwatches, Fernsehern und Autos.
    Dabei spielt Künstliche Intelligenz eine immer zentralere Rolle.

Geschäftszahlen
Google wächst und wächst. Für 2022 meldete Alphabet einen Umsatz von 283 Mrd. US-Dollar (2021: 258 Mrd. Dollar).
Der Nettogewinn betrug laut der Bilanz 60 Mrd. Dollar, was unter dem Vorjahreswert von 76 Mrd. Dollar lag.
Die Suche ist weiterhin Googles Haupteinnahmequelle. Brin und Page setzten früh auf unaufdringliche Werbung auf der Google-Seite.
Ads (früher: Adwords) ging schon 2000 an den Start.

Kritik an Google
Es ist kein Geheimnis mehr: Der Google-Kunde ist längst gläsern, die "Datenkrake" sorgt für Kritik.
Kaum ein Bereich des Privatlebens bleibt dem Konzern dank E-Mail-Inhalten, Standortdaten und Internetsuchen verborgen.
Die Wettbewerbshüter der EU-Kommission überzogen Google wegen des Vorwurfs, seine marktbeherrschende Stellung zum Nachteil der Konkurrenz auszunutzen, in den vergangenen Jahren immer wieder mit Milliardenstrafen – die der Konzern allerdings mühelos verdaute.

Ungewohnte Konkurrenz
Mit dem Siegeszug von ChatGPT Ende 2022 muss sich Google zum ersten Mal seit Jahrzehnten ernsthafter Konkurrenz erwehren.
Gut möglich, dass die Karten im Suchmaschinengeschäft noch einmal neu gemischt werden – und Microsofts Bing ist dank der Partnerschaft mit ChatGPT besser aufgestellt als je zuvor.
Denn bei Google wird intern durchaus daran gezweifelt, ob der Konzern in der Lage sein wird, auf die neue Konkurrenz zu reagieren:
Ex-Mitarbeiter berichten von einem gelähmten Giganten, unfähig zu echter Disruption.

Quellen: Capital, FAZ, heise.de, Wikipedia, Google
 

Buster

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Google Google Google ,man hat sich einfach dran gewöhnt ;)
 
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